Tom Albrecht – Group Global 3000

„Das gibt uns die Freiheit, uns nur an Inhalten zu orientieren…“

Vor vier Jahren gründeten einige Künstler in Berlin die Group Global 3000, eine Mischung aus  Künstlerinitiative, Galerie und Projektraum. Auf jeden Fall hierzulande die erste (und wahrscheinlich) einzige  Künstlervereinigung, die sich ausschließlich der Nachhaltigkeit widmet. Ein Gespräch mit dem Initiator Tom Albrecht.

Tom Albrecht - Group Global 3000

Tom Albrecht initierte die Gründung von Group Global 3000 im Jahr 2012. Hier zwischen zwei Objekten während der Ausstellung „Stille“.

 

Man könnte auch sagen: „Mensch und Umwelt“

Bernd Sobolla: Tom Albrecht, wer steht hinter Group Global 3000 und was sind Eure Ziele?

Tom Albrecht: Ich habe Group Global 3000 geründet. Das war vor vier Jahren, und es gab mehrere Gründe dafür: Ich hatte immer mit Umwelt zu tun und zugleich diese künstlerische Seele in mir. Außerdem bin ich selbst als Künstler aktiv und wollte diesen Kunstort gründen, wo wir uns mit Kunst und Nachhaltigkeit befassen. Wir haben also 2012 ein Team gegründet. Da gab es zunächst einige Wechsel, inzwischen aber sind wir eine einigermaßen stabile Gruppe, auch wenn wir immer noch aktive Mitglieder suchen. Im Moment sind wir vier im Team. Und was die Idee betrifft:  Es geht immer darum, Kunst zu zeigen, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit befasst. Es sind also Themen, die uns unter den Nägeln brennen, die aus der Gesellschaft kommen: das Licht, das fahl ist; das Wasser, das verschmutzt ist; das Fleisch, das aus der Massentierhaltung kommt; der Autoverkehr, der krank macht. Es gibt so viele Themen, die uns immer wieder betreffen und zu denen wir meist eine öffentliche Ausschreibung machen. Wir laden Künstler ein, uns Werke zum jeweiligen Thema zu zeigen: Man könnte auch sagen: „Mensch und Umwelt“. Es geht aber auch um wirtschaftliche, soziale Aspekt und die Umwelt.

Orientierung ausschließlich an Inhalten

Marieke Bolhuis

„Broken Safety“. Die Skulptur der niederländischen Künstlerin Marieke Bolhuis stammt aus einer Serie, in der LED-Licht mit Sicherheitsglas aus Bussen kombiniert wird.

Die anderen drei sind auch Künstler?

Ja. Die anderen drei sind Maria Korporal, Mariel Gottwick und Javier Pérez-Lanzac. Ab und zu stellen wir auch selber hier in der Galerie aus, aber überwiegend handelt es sich um externe Künstler.

Ihr versteht Euch aber nicht als klassische Galerie. Was unterscheidet Euch davon?

Wir sind nicht profitorientiert, wir treten nicht auf dem Kunstmarkt auf. Wir orientieren uns an Inhalten und nicht an der Verkaufbarkeit der Werke. Es kommt schon vor, dass wir auch Kunstwerke verkaufen. Aber grundsätzlich sind wir eine Non-Profit- Galerie. Dahinter steht ein Verein, in dem man Mitglied werden kann. Und für den suchen wir auch noch Mitglieder. Das gibt uns die Freiheit, uns nur an Inhalten zu orientieren und nicht an der Verkaufbarkeit. Außerdem haben wir auch Veranstaltungen, wo diskutiert wird oder wo Vorträge gehalten werden. Die untermauern in der Regel das fachlich, was wir als aktuelles Ausstellungsthema haben.

Ihr arbeitet seit 2012 zusammen, und den öffentlichen Projektraum gibt es seit Januar 2013. Wer stellt bei Euch aus und wie regelmäßig finden die Ausstellungen statt?

Wir organisieren alle acht Wochen eine neue Ausstellung. Das ist sehr intensiv und macht viel Arbeit. Aber in einer Stadt wie Berlin ist in Sachen Kunst so viel los, da muss man einfach Events produzieren, Bewegung und Wechsel. Im Rahmen einer Ausstellung haben wir in den acht Wochen immer vier Ereignisse: die Vernissage, die Finissage, das Künstlergespräch, wo die Künstler über ihre Arbeit sprechen, und ein Fachvortrag zum jeweiligen Thema.  Das Ganze oft mit Performances am Anfang und am Ende oder mittendrin. Manchmal kommt auch noch ein fünfter Termin dazu.

Ausstellungsthemen im Zyklus

Tom Albrecht "Stille"

Tom Albrecht vor einem Bilder der Ausstellung „Stille“

Du hast gerade Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit, Soziales erwähnt. Das Ganze hat auch noch eine politische Komponente. Gibt es Prioritäten bei den Ausstellungsinhalten?

Wir entwickeln manchmal einen Zyklus. Das war z.B. „Das Meer“. Dazu gab es dann das Thema „Fische“ oder „Kreuzfahrt“. Im Jahr 2017 haben wir den Zyklus „Innere Natur“. Damit ist der Mensch gemeint, den wir auch als Teil der Natur sehen, seinen Körper. Da geht es um „Genuss“ oder um „Licht“ und wie wir das Licht wahrnehmen. Aber es gibt jetzt keine Prioritäten beim Kuratieren. Manchmal geht es auch um Aktualität. Als der VW-Skandal hoch kam, machten wir vier vom Team spontan eine Performance. Da lief gerade die Verkehrsausstellung. Wir haben dann hier mit Smog im Raum gearbeitet und agierten wie besinnungslose Autofahrer, die ihrem Auto eng verbunden sind.

 Es gibt einen Faktor „Farbwiedergabequalität“

Exponat der Ausstellung „Licht“.

Das aktuelle Thema ist „Licht“. Wie habt Ihr Euch dem Thema genähert?

In der Lichtausstellung geht es u.a. darum, wie verschwenderisch wir mit dem künstlichen Licht umgehen. Wie die Sterne in der Stadt verloren gehen, weil man sie aufgrund des Lichtsmogs nicht mehr am Himmel sehen kann.  Dazu haben wir z.B. einen Wissenschaftler gefunden, der darüber einen Vortrag gehalten hat. Das ist übrigens auch ein Problem für die Astronomen. Und vielleicht auch für die Kinder, die die Sterne nicht mehr sehen. Nicht zu vergessen das Licht für den Verbraucher: Licht, das fahl wirkt und uns krank aussehen lässt. Es gibt einen Faktor Farbwiedergabequalität, das wissen viele noch gar nicht. Wir haben z.B. die Künstler aufgefordert, das zu behandeln. Dinge kommen auf den Markt, z.B. die Energiesparlampe oder das LED-Licht. Und nach einer Weile merkt man: „Mhm, ist ja doch nicht so schön das Licht!“ Dann wird es wieder rausgeschmissen. Dadurch entsteht viel Umweltressourcenverbrauch, vielleicht sogar Krankheit. So etwas wollen wir thematisieren.

Peggy Sylopp

Die Eisskulptur von Peggy Sylopp erinnert an das Schmelzen der Polare. Das Polareis hat tausende Informationen über die Entwicklung der Erde gespeichert. Auch sie vergehen mit der Schmelze. Peggy Sylopp fragt aber auch, welche Auswirkung das Kunstlicht auf Flora und Fauna in unserer unmittelbaren Nähe hat.

 

Und  dazu gehört auch der Vortrag?

Ja, das ist eine eigene Veranstaltung während dieser acht Wochen. Eine Veranstaltung zeigte z.B. ein Lichtdirigat, bei dem eine Frau mit Licht dirigiert.

Wie finanziert Ihr Group Global 3000?

Group Global 3000 wird im Wesentlichen durch Spenden finanziert. Ich zahle z.B. die Miete, das ist mir die Sache wert. Wir zahlen das an den Verein, der ist gemeinnützig. Zum Glück haben wir auch einen Preis des Senats von Berlin gewonnen, der es uns ermöglicht, Aufgaben, die wir nicht schaffen, nach außen zu vergeben.

 

 

Interview: Berlin, April 2017

Galerie / Projektraum Group Global 3000, Leuschnerdamm 19, 10999 Berlin-Kreuzberg

Öffnungszeiten: freitags 17.00 bis 20.00 Uhr und nach Vereinbarung: Telefon: 030 – 6154749

Info: Group Global 3000

Nächste Ausstellungseröffnung: „Kann man Genuss kaufen?“ Vernissage mit Performance: Christiane Gaebert, „Die Kunst eine Rosine zu verspeisen.” Freitag, 19. Mai 2017, 19.00 Uhr.

Künstlergespräch: Freitag, 02. Juni 2017, 19.00 Uhr.

Künstler der Ausstellung sprechen über ihre Werke

Vortrag: Freitag, 16. Juni 2017, 19.00 Uhr, Johanna Ernst: ,„SINNvoll essen – wie die Produkte auf unseren Tellern mit unserer Lebensweise zusammenhängen”

Finissage mit Performance: Freitag, 30. Juni 2017, 19.00 Uhr, Libera Mazzoleni: „Godo ergo sum‟und Video der Performance „Today, the gods are gone‘ ‟